Wertstromanalyse: Der ehrliche Spiegel.
Warum die Analyse-Phase mehr Wirkung hat als die meisten denken.
Viele Teams springen direkt vom Kick-off ins Wertstromdesign – und überspringen die Analyse. Das Ergebnis: ein hübscher Soll-Zustand, der an der Realität vorbeigeht. Die Wertstromanalyse ist das Werkzeug, das diesen Bruch verhindert. Sie ist der ehrliche Spiegel des Ist-Zustands.
Die Wertstromanalyse beginnt nicht im Konferenzraum
Sie beginnt mit Bleistift, Stoppuhr und einem leeren Blatt – und zwar dort, wo der Wert entsteht. Wer den Wertstrom zuerst zeichnet und dann „verifiziert", hat ihn schon falsch begonnen. Die Reihenfolge ist immer: laufen, beobachten, messen, dann erst skizzieren.
„Daten aus dem ERP sind nicht falsch – sie sind nur unvollständig. Was wirklich passiert, sehen Sie nur am Prozess."
Sieben Dimensionen pro Prozessschritt
Für jeden Schritt im Wertstrom werden sieben Dimensionen erfasst – nicht geschätzt, sondern gemessen oder zumindest stichprobenhaft beobachtet:
Wie lange dauert ein Stück / ein Vorgang?
Wechsel zwischen Varianten / Aufträgen.
Geplante vs. tatsächliche Maschinenlaufzeit.
Wie groß sind die Produktionsbatches?
In Tagen umgerechnet – nicht in Stück.
First-Pass-Yield oder Nacharbeitsquote.
Wer arbeitet wann, in welcher Qualifikation?
Die zentrale Kennzahl: WSA
Aus den Daten ergibt sich der Wertschöpfungsanteil (WSA): wertschöpfende Zeit geteilt durch Durchlaufzeit. Realistische Werte liegen in produzierenden Unternehmen fast immer zwischen 1 und 5 Prozent. Klingt schockierend – ist aber normal. Und genau hier liegt das größte Potenzial.
Wer beim WSA „erschrocken" reagiert, hat den Punkt nicht verstanden: Die Differenz zwischen wertschöpfender Zeit und Durchlaufzeit ist nicht ein Problem – sondern das Verbesserungsbudget für die nächsten 18 Monate.
Den Informationsfluss nicht vergessen
Materialfluss ist offensichtlich. Informationsfluss ist unsichtbar – und meist die größere Bremse. Wann wird disponiert? Welche Abteilung bekommt welche Information zu welchem Zeitpunkt? Wo entstehen Warteschleifen, weil eine Freigabe fehlt?
In 8 von 10 Projekten finden wir auf der Informationsebene mehr Hebel als auf der Materialebene. Wer den Informationsfluss in der Analyse weglässt, optimiert nur das halbe System.
Drei häufige Fehler
- Schätzen statt messen. „Das dauert ungefähr…" reicht nicht. Lieber drei echte Messpunkte als zehn geschätzte.
- Nur eine Schicht beobachten. Wertströme sehen in der Spätschicht oft völlig anders aus als in der Frühschicht.
- Den Kunden vergessen. Was ist Wertschöpfung – aus Sicht des Kunden? Nicht aus Sicht des Werks.
Was die Analyse liefert
Am Ende der Wertstromanalyse haben Sie drei Dinge: einen sauberen Ist-Wertstrom, eine quantitative Übersicht (DLZ, WSA, Bestände in Tagen) und – am wichtigsten – eine geteilte Realität im Team. Erst auf dieser Basis lohnt sich das Wertstromdesign. Vorher ist es Wunschdenken.
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